Nov 21, 2016 - Alltag    No Comments

News aus Ökostan.

Ich habe eigentlich nicht den Hang dazu, Sachen so richtig „durchzuziehen“ – dazu fehlt mir, wie an anderer Stelle beschrieben, schlicht die Disziplin (und immer noch befällt mich eine mysteriöse Übelkeit, wenn ich dieses Wort auch nur schon tippe). Jedenfalls, ich bin Motivations-mässig eher so der Typ „Stubenfliege“: „Oh, ein Krümel, wie aufregend, ich werde gleich mal… oh, ein Lichtstrahl, wie aufregend!!“ Das hat nicht nur Schlechtes: Ich bin leicht für irgendwas zu begeistern, und meine Begeisterung fällt dabei deutlich intensiver aus, als bei der disziplinierten Mehrheit. Dass ebendiese Begeisterung schon einen Tag später komplett verflogen sein kann, tja, das ist dann halt die Kehrseite der Medaille – oder so.

Phü, das war jetzt eine verflixt lange Einleitung ohne bisherigen Bezug zum eigentlichen Thema… Eigentlich wollte ich nur folgendes klarstellen: Normalerweise verflüchtigt sich mein Enthusiasmus für ein Thema etwa so schnell wie ein Furz in der Laterne. Im Bereich „Projekt Umwelt“ jedoch zeichnet sich eine Ausnahme ab. Ich glaube, es hängt damit zusammen, dass es was mit Ethik zu tun hat. Wenn man sich erst einmal mit Ökologie und Konsum auseinander gesetzt hat, ist es ethisch gesehen recht schwierig, das einfach so von einem Tag auf den anderen wieder auszublenden. Für mich, zumindest.

Ich möchte also weiterhin die Zerstörung des Planeten durch meine blosse Existenz so gering wie für mich möglich halten, was dazu führt, dass ich nach wie vor mein Konsumverhalten verändere. Ich konzentriere mich dabei vor allem auf Dinge, die ich täglich verwende, dazu gehören die Körperpflege-Produkte, um die es im Folgenden gehen soll:

Shampoo & Dusch
Schon seit sehr lange verwende ich kein herkömmliches Shampoo mehr. Seit ich im August eine riesige Aleppo-Seife gekauft habe (die ist zu 100% natürlich, kommt ohne Verpackung daher & riecht ziemlich deftig nach Olivenöl), verwende ich die als Shampoo. Selten (in letzter Zeit aber kaum noch) nehme ich das Shampoo in der Plastik-Flasche von Lavera (Zitat Öko-Drogistin: „Mehr Bio geht nicht.“). Ausserdem spüle ich meine Haare ab und zu mit Zitronensaft, wegen dem Kalk im Wasser. Ausserdem habe ich mir in einem Anfall eine Haarspülung von Melvita in einer Plastiktube gekauft, bin damit aber nur mässig zufrieden. Insgesamt kann man sagen: Seit Mai habe ich exakt 2 Plastik-Flaschen Shampoo und 1 Plastiktube mit Spülung gekauft (wobei mein Freund das meiste Shampoo verbraucht hat). Plastikflaschen für Duschmittel habe ich für mich keine einzige mehr gekauft. Ich benutze nur noch feste Seife, seit August die Aleppo-Seife, die ich auch für die Haare verwende. Weil die bald alle ist, habe ich im Internet neue, vegane, handgemachte Haarseife bestellt. Es wird jedoch wohl wohl noch ein Weilchen dauern, bis die da ist.

Haarfarbe
Ja, ich färbe meine Haare, und das, seit ich 15 bin. Unmengen an Chemie habe ich mir in dieser ganzen Zeit in die Haare geschmiert, in einer kurzen Hippie-Phase war es Henna. Mit Anfang 20 habe ich mir dann geschworen, diese krümlige, stinkende Masse, die man mehrere Stunden (!!) einwirken lassen muss, nie wieder zu verwenden. Tja. Wie soll ich sagen: Ich habe meinen Vorsatz gebrochen. Noch im Sommer war ich beim Coiffeur und liess mir eine chemisch stinkende Coloration machen, als mir klar wurde, dass sich das irgendwie total mit meinem Haarseifentum beisst (der Begriff „Haarseifentum“, da muss ich ehrlich sein, begeistert mich enorm – „bist du katholisch?“ „Nein, ich fröne dem Haarseifentum.“ „Ah.“) . Alle Chemie, die mir auf den Kopf geschmiert wird, landet im Abwasser und dann irgendwann in einem Fluss, wo sie Lebensräume vergiftet. Eine enorm simple Erkenntnis, schon klar, aber ich brauchte auch da relativ viel Zeit, um mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich meine Haarfärberei umstellen muss. Meine Haare, ihr Zustand und ihre Farbe sind mir wichtig, ich bin vielleicht ein Öko geworden, aber immer noch einigermassen eitel. Jedenfalls, das gärte in meinem Kopf mehrere Monate, bis ich mich entschloss, nach einer 100% natürlichen Coloration Ausschau zu halten.

Prompt fand ich ein Produkt, das diesen Kriterien entsprach, und schon schmierte ich mir wieder eine stinkende Paste auf den Kopf, versaute das ganze Badezimmer und musste 2 Stunden eine übel riechende, bröcklige Masse auf meinem Kopf tolerieren. Das Ergebnis war wenig spektakulär (kaum eine Farbänderung), aber wenigstens glänzten die Haare danach schön.

Der Ansatz wuchs aber flott vor sich hin (man sieht einen deutlichen Unterschied zwischen „chemisch getönte Haare“ und „nicht chemisch getönte Haare“), und der Wunsch nach einer vereinheitlichenden Coloration trieb mich schliesslich dazu, dass ich mit Mitte 30 tatsächlich wieder einen Block Henna kaufte. Dass mir die beängstigend euphorische Verkäuferin versehentlich eine französische Anleitung dazu gab, konnte meine Euphorie nicht dämpfen, und so zerlegte ich mit eisernem Willen (und einer leisen Stimme im Kopf, die fragte „was zur Hölle tust du da?!“) und einem scharfen Küchenmesser in einer ziemlich unwürdigen Zeremonie den Henna-Block, um ihn mit kochendem Wasser zu einer nach angefaultem Heu riechenden Paste zu vermengen. Auch jetzt versaute ich im grossen Stil den Boden, aber ich hatte dazugelernt und war dieses Mal wenigstens in der gefliesten Küche. 2 Stunden, viel Gebrösel und Geputze später stand fest: Die Hennavariante „Marron“ ergibt auf meinen Haaren keineswegs wie von der kaugummikauenden, üppig gepiercten und mich duzenden Verkäuferin angekündigt, „hellbraun“, sondern einen penetranten Kupferton, je nach Lichteinfall geradezu orange. UND DAS SIEHT BEI MEINEM TEINT SCHEISSE AUS!! Und nein, nicht nur „ein bisschen Scheisse“, wie damals mit der Mittelalterseife. Da will man nett zur Natur sein, und dann zahlt sie einem das so heim. Was solls. Ich warte jetzt, bis ich mich wieder überwinden kann, wieder einen „Lush“ zu betreten (und nein, meine Abneigung hat mit dem hippen, barfuss arbeitenden Verkaufspersonal nichts zu tun, ehrlich) und dort den nächsten nach angefaultem Heu stinkenden Klotz zu kaufen, diesmal, Nomen est Omen, werde ich „Brun“ kaufen. Und dann werde ich euch davon erzählen, ob ihr wollt oder nicht, versprochen.

Zahnpasta
Das mit der Zahnpasta ist eine echte Knacknuss. Irgendwie scheint bis anhin niemand auf die Idee gekommen zu sein, ein Zahnpflegeprodukt zu erfinden, das nicht in einer Plastiktube daher kommt. Jedenfalls, ich habe zumindest mal versuchsweise auf ein umweltschonendes Produkt von Melvita umgestellt. Gar nicht schlecht, aber, ich muss ehrlich sagen: Die Kosten für 1 Tube entsprechen ziemlich genau dem Doppelten, was wir normalerweise für 1 Tube ausgeben. Das ist ganz schön extrem, und ich weiss nicht, ob wir uns das längerfristig wirklich leisten können, bzw., ob ich da die Priorität nicht auf die Lebensmittel lege (die sind nämlich in Bio-Qualität schlicht einfach deutlich teurer, das kann man nicht schönreden, Punkt.) Wir leben budgetmässig auf bescheidenem Level, und irgendwo müssen wir halt Abstriche machen. Die Frage ist immer nur, wo.

So, das wären sie, die News aus Ökostan. Inhaliert sie tief und tragt die frohe Kunde samt dem Geruch nach fauligem Heu einmal rund um den Globus. Auf das Haarseifentum!

 

Eine für alle(s): Alepposeife. Hat man aich an den herben Geruch mal gewöhnt, kann man daran eigentlich wenig aussetzen.

Eine für alle(s): Alepposeife. Hat man sich an den herben Geruch mal gewöhnt, kann man daran eigentlich wenig aussetzen, ausser, man hat trockene Haut, dann sollte man mit Bodylotion nachfetten nach dem Duschen.

 

 

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Aktion „Henna“: Vorher.

 

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Aktion Henna: Während.

 

 

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Aktion Henna, danach: „What the Kupfer?!“

 

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Aktion Henna, nach danach: Resignation.

Okt 15, 2016 - Alltag    No Comments

An der Playa Conchal.

Der „Reisetag“ zwischen Regenwald und Strand hatte es wirklich in sich. Groteskerweise reisten wir vom Dschungel zuerst nach San José, um von dort dann in Richtung der Halbinsel Nicoya, zur Playa Conchal am Pazifik, loszufahren. Geographisch gesehen ein echter Irrsinn, durch die Tatsache, dass wir bereits einmal in der Region Cañas waren, noch um einiges irrsinniger – aber dass wir zur Playa Conchal wollten, wussten wir zu Beginn unserer Reise halt noch nicht, eigentlich hatten wir ja die Karibikküste vorgesehen, diverse Hinweis von Einheimischen hatten uns jedoch umgestimmt. Und es ist nun mal so: Egal, in welchen Teil des Landes du in Costa Rica mit dem Bus reisen willst, am einfachsten – und auch am schnellsten – startest du immer ab San José. Dort sind auch die Abfahrorte (beim Terminal der Busgesellschaft der Wahl) und die Abfahrtszeiten durchschaubar und vorhersehbar.

Wir starteten also um 5 Uhr früh, ohne Frühstück, und, weit verheerender, ohne Kaffee, in der Lodge, wo uns ein sehr müder junger Mann im lottrigen Jeep nach Boca Tapada chauffierte, erklommen um 05:30 den Bus, der uns auf der Schotter-Schlaglochpiste im Schneckentempo und reichlich durchgeschüttelt nach Pital brachte, wo wir umgehend in den Bus nach San José geschleust wurden. An einem der obligaten Pipi-Stopps erstanden wir versehentlich zwei Hamburger (wir dachten, es seien Sandwiches) und ein undefinierbares XXL-Süsskram-Dings, wodurch wir unser Frühstück quasi nachgeholt hatten. Gegen Mittag erreichten wir die stinkende, blinkende und vor allem lärmige Hauptstadt zum zweiten Mal. Mein Magen rotierte bereits gefährlich, das „Mittagessen“ in der wenig schicken Busterminal-Gegend machte die Sache nicht unbedingt besser. Ich zählte zwei Bettler (die ersten und letzten zwei unserer Reise) und so einige Obdachlose, ausserdem wünschte ich mir wieder einmal, dass ich in perfektem Spanisch „mach gefälligst einen ganzen Satz!“ zurückbrüllen könnte, wenn wieder einmal einer „Taxi? Taxi!“ brüllte.

Im Busterminal selber fielen wir als Touris wieder einmal gründlich auf. Ich habe hierzu zwei Thesen:

 

These 1: Die Regenzeit aka Nebensaison hat enormen Einfluss auf die Gesamtmenge der Touristen, und so kommt es, dass wir von diesen eh schon stark dezimierten Touristen halt einfach – zufällig – die einzigen sind, die mit dem Bus reisen.

These 2: Ganze egal, ob Hoch- oder Nebensaison, generell reisen die Touristen, die nach Costa Rica kommen, entweder mit einem Mietauto oder in einer organisierten Reisegruppe – und die richtig Mutigen nehmen einen klimatisierten Touristen-Shuttlebus, der einen für das 6fache des normalen Busticket-Preises von Hoteltüre zu Hoteltüre stellt. Mit dem ganz normalen Bus, so wie wir, reist „man“ hier als Tourist nicht – warum auch immer.

 

Wie dem auch sei: Wir bestiegen gegen 15 Uhr den Bus und fuhren auf die Minute genau ab. Dann folgten lange, sehr lange 6 Stunden Busfahrt, bis wir schliesslich gegen 21 Uhr Brasilito, das kleine Dorf in der Nähe der Playa Conchal, erreichten. Wir hatten aufgrund akuten Internet-Mangels weder ein Hotel reserviert noch eine genaue Adresse eines Hotels, alles, was wir hatten, war der Name eines B&Bs, das wir dann irgendwann schliesslich auch fanden. Wir hatten Glück, und der freundliche Franzose, der die Unterkunft betreibt, hatte tatsächlich noch ein Zimmer frei. Wir fielen quasi in die Dusche, von der Dusche ins Bett und von dort in einen komatösen Schlaf.

Der nächste Tag startete grandios, Grund dafür einmal mehr das Frühstück, das klar das beste unserer ganzen Reise. Selbstgebackenes Brot! Und zwar solches, das diesen Namen auch verdient hat – auch das das einzige unserer Reise. (Für die Gringos – und Schweizer – gibt es, wenns hoch kommt, einfach Toast, die Einheimischen essen zum Frühstück lieber ihren Reis-Bohnen-Eintopf und frische Früchte.) Ausserdem: Joghurt (auch das isst man hier eigentlich kaum), eine Schüssel voller saftiger Mangos, Ananas, Passionsfrucht und Wassermelone, frisch gespresster Orangensaft, selbst gemachte Konfitüre, sowie verschiedene Flocken und wirklich guten Kaffee.

Danach spazierten wir gemütlich an den Strand, der gerade 200m entfernt war. Die Playa Brasilito, die gleich heisst wie das kleine Dorf, lag abgesehen von einem einsamen Fischer menschenleer da – der Normalzustand, wussten wir 3 Tage später. Klar, der Sand da ist relativ dunkel, aber sauber, und das Meer klar – wer jedoch in Brasilito weilt, der verschmäht offenbar diesen Strand aus Prinzip und geht weiter zur Playa Conchal, etwa 15 Minuten Fussmarsch entfernt. Die schneeweisse, von Abermillionen angeschwemmter Muscheln übersähte Playa Conchal mit ihrem türkisblauen Wasser wiederum gilt bei den Ticos als einer der schönsten Strände überhaupt, und entsprechend mehr ist da los. Allerdings, auch da: Nach etwa 200m hörten die Sonnenschirme, Massage-Angebote und Sonnenliegen auf, und je weiter man geht, desto einsamer – und schöner – wird es. Man muss erwähnen, dass wir in der absoluten Nebensaison da waren, in der Trocken-Zeit zwischen Januar und April muss sehr viel mehr los sein.

Abends wurden wir Zeugen eines fantastischen Naturschauspiels – der Sonnenuntergang an der Playa Brasilito mit ihren Palmen war wirklich atemberaubend. Wir sassen gegen 45 Minuten einfach da und staunten, bis es schliesslich Nacht wurde.

Nachmittags fängt es jahreszeitlich bedingt meistens an, zu regnen, manchmal heftiger, manchmal sanfter, manchmal nur kurz, manchmal mehrere Stunden. Wir haben uns an diese Gegebenheit schon recht gut gewöhnt, ebenso an den Tico-Bio-Rhythmus, wonach man abends früh schlafen geht (ab 17:30 ist es eh dunkel) und morgens früh aufsteht (um 7 Uhr scheint meist die Sonne). Brasilito, unsere Heimat für 4 Tage, ist ein trotz Tourismus (vor allem auch inländische Touristen reisen gerne an die Playa Conchal) relativ normal gebliebenes Tico-Dorf, was uns spätestens am nächsten Tag bewusst wurde, als wir von akuter Geld-Not getrieben (die Banco de Costa Rica und ihre Bankomaten verweigerten hartnäckig die Zusammenarbeit mit unseren Maestro-Karten – und es lag definitiv nicht am betreffenden Bankomat, denn wir reisten extra per Autostop zur Playa Flamingo zu einem anderen Bankomaten der selben Bank, nur um dort wieder kein Geld zu erhalten) mit dem Bus nach Huacas und einem merkwürdigen „Sammeltaxi“ nach Tamarindo reisten. „Tamagringo“, nennen die Einheimischen diesen Strand auch, und in der Tat, Welcome to the Gringo-Ism! An jeder Ecke klingen Ami-Charts, überall Souvernir- und Surfshops, alles auf englisch angeschrieben. Der Strand selber ist sehr flach, sehr breit und voller Muscheln, kurz, wirklich schön – oder er wäre es, wenn man all die Auswüchse des Tourismus wegdenkt.

Aber der Bankomat der Banco de San José spuckte, und wir konnten nach einem kurzen Essensstopp in einem zweitklassigen Gringo-BBQ-Schuppen (wir würden uns später noch sehr genau an dieses Essen erinnern) diesen grauenhaften Ort wieder verlassen. An der Bushaltestelle standen wir einige Zeit rum (wie immer wusste niemand, wann hier ein Bus fährt), als wir schliesslich erneut von einem „Taxi“ im weitesten Sinne aufgegabelt wurden. Wir lernten: „(Sammel-) Taxis“ ohne Lizenz, Versicherung und Sicherheitsgurte gabeln in dieser Gegend die Leute (auch Einheimische) an den Bushaltestellen auf, vermutlich am liebsten kurz bevor ein Bus kommt. Einheimische zahlen einen Betrag, den alle Beteiligten kennen und über den nicht gesprochen wird (wir vermuten, für die Strecke von Tamarindo nach Huacas, also ca. 10 Kilometer, um die 700 – 900 Colón). Gringos und Schweizer bezahlen für die selbe Strecke je nach Fahrer pro Nase 2 USD, was etwa 1100 Colón entspricht, oder, wenn der Fahrer auch Colón akzeptiert, 1000 Colón. Es ist also wirklich gleich teuer – oder besser gesagt, gleich günstig – wie der Bus, oder gar noch ein paar Colón günstiger. Was sicher nicht zu empfehlen ist, ausser, man hat etwas gegen Fahrer ohne Lizenz, Versicherung und Sicherheitsgurte, ist, ein offizielles Taxi zu bestellen, denn das kostet für die gleiche Strecke um die 10 USD.
In Huacas, einem kleinen, trostlosen Kaff im Landesinnern, warteten wir fast 1 Stunde vergeblich auf einen Bus, als uns erneut ein „Taxi“ mit nach Brasilito mitnahm. Unter dem Strich haben wir knapp 16 USD für beide für die Reise nach Tamarindo und zurück bezahlt – anstatt 40 USD mit einem offiziellen Taxi. Ein echtes Schnäppchen!!

Abends hatten wir eine „Tortuga-Tour“ gebucht. Ab Oktober kommen die Meeresschildkröten an die Strände der Region und verbuddeln ihre Eier im Sand, worauf etwa 40-55 Tage später die jungen Schildkröten schlüpfen und zurück ins Meer tapsen. Glücklicherweise ist der Umweltschutz hierzulande besser als anderorts, so dass Touristen nur mit Guides und unter strengen Auflagen diesem Spektakel beiwohnen dürfen. Wir waren die einzigen zwei Teilnehmer unserer Tour. Der Guide fuhr mit uns etwa eine halbe Stunde durch den Dschungel, bis wir an einem abgelegenen Strand ankamen. Dort durften wir weder Taschenlampe, Handy noch Kamera benutzen. „No lights“, denn das stört die Schildkröten. Der Mond schien, während wir durch den Sand dem Guide hinterher stapften – oder besser gesagt, rannten, denn der junge Mann hatte ein beachtliches Tempo drauf. An diesem Strand wurde er nicht fündig, und so kletterten wir in enormem Tempo einen Abhang hinauf und kraxelten schliesslich irgendwie zu einem anderen Strand herab – „the slow hiking is included, wahaha“. Dort hatte sich eine ganze Gruppe von Volunteers um einen Biologen um eine „Tortuga Lora“ geschart. In gebührendem Abstand, mit Infrarot-Licht und mucksmäuschenstill durften wir zuschauen, wie die vielleicht 60jährige Schildkröte mit ihren Hinterbeinen ein enormes Loch ausbuddelte und danach – quasi in Trance – etwa 80 Eier legte. Die Eier wurden von einem Volunteer und dem Biologen in einen Plastiksack umgelagert – was uns etwas irritierte. Der Guide versicherte uns in seinem abenteurlichen Englisch, dass das zum Schutz der Schildkröten geschehe, die Eier würden am selben Strand, aber an einem sichereren Ort wieder verbuddelt. Am Morgen seien jeweils Einheimische da, die den Strand nach Schildkröteneiern absuchen, diese ausbuddeln und verkaufen würden. „Fucking bullshit“ sei das, schimpfte der Guide, die Eier würden gekocht und gegessen. Der Panzer der Schildkröte wurde nach dem Eierlegen vom Biologen ausgemessen, und unser Guide meinte, wir sollten besser gehen, damit die Schildkröte ungestört ins Meer zurück kehren könne.

Es war gegen 22 Uhr, als wir in unser Hotel zurückkehrten. Wir gingen bald schlafen und freuten uns auf einen weiteren unbeschwerten Strandtag – was sich dann doch etwas anders entwickeln sollte, als wir dachten.

 

Playa Conchal.

Playa Conchal.

 

Kitsch an der Playa Brasilito.

Kitsch an der Playa Brasilito.

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