Sep 10, 2014 - Alltag    No Comments

Die Akte Schneewittchen.

Die Grundidee dieses wunderbaren Bühnenstückes entstand während einem Improtheater mit Teenies. Keine Angst: Im Original war es deutlich jugendfreier und harmloser. Die stereotypen Darstellungen der Charaktere ist gewollt, der Terror-Troll stammt ursprünglich aus Spreitenbach und hat eine urschweizerische Ahnenreihe bis hin zum Tell, und ich vermittle beruflich keine solchen Frauenbilder, alles klar?! Wer Mühe hat mit politisch inkorrektem Humor: Einfach wegklicken, danke.

Die Akte Schneewittchen

Szene: Gerichtssaal. Der Richter schwingt den Hammer und brüllt dem Gerichtsdiener zu:
“Bringen Sie mir den Angeklagten Nummer 1 rein!”

Auftritt Terror-Troll: Ein halbwüchsiger, schmächtiger Typ mit verschlagenem Blick und besorgniserregend tief sitzenden Hosen schlurft gemächlich rein.

Richter: “So, Name bitte!”
Troll: “Ey Mann, easy, ja?”
Richter: “Ihren Namen!!”
Troll: “Deine Mutter oder was?!”
Richter (baut sich drohend auf): “Fertig lustig, Freundchen, wer zur Hölle sind Sie?!”
Troll: “Eh, easy Mann, ja? Bin ich Terror-Troll, Mann.”
Richter (notiert den Namen): “Soso. Also, Herr Terror-Troll, was sagen Sie zu den Vorwürfen?”
Troll: “Eh, Mann, hör auf mit Vorwürfen, Mann, diese verdammten Zwerge, Mann, wirf die mal vor, eh?”
Richter, stutzt: “Die sieben Zwerge?!”
Troll: “Eh, nix sieben, Mann, sind zwei Zwerge, zwei verblödete Zwerge, ich sag dir, zwei Scheiss Zwerge, haben geklaut mein Zeugs!”
Richter, verblüfft: “Die sieben Zwerge? Die hinter den sieben Bergen? Sollen geklaut haben?!”
Troll: “Eh, nix sieben, sag ich dir, Mann, zwei Zwerge, sind nur zwei, sag ich.”
Richter (notiert murmelnd: “nur zwei Zwerge!”): “Also, Herr Terror-Troll, was genau werfen Sie den besagten Zwergen nun vor? Worum ging es bei dem Diebstahl?”
Troll: “Eh, mein Zeug, sag ich dir, haben die geklaut mein Zeug!”
Richter (notiert murmelnd: “haben geklaut sein Zeug.”): (zum Gerichtsdiener): “Also, wenn das so ist: Bringen Sie mit diese zwei Zwerge rein! (Zum Troll): “Sie können wieder ins Untersuchungshaft-Zimmer.”
Troll: “Eh Mann, was soll der Scheiss, bin ich voll korrekt, Mann, diese Zwerge, ich sag dir, musstu was tun gegen diese Zwerge!”
(Troll schlurft misslaunig von dannen)

Auftritt der zwei Zwerge:
Zwei kleine, nachlässig gekleidete Typen mit Rastazöpfen und Häkelkäppi spazieren gemütlich zum Richterpult und fläzen sich entspannt hin.

Richter: “Name!”
Zwerg 1: “Also ich bin der Zwerg 1, die Number One, quasi.”
Zwerg 2: “Mich können Sie Zwerg 2 nennen, ich bin die Number Zwei.”
Richter, streng: “So, ihr Scherzkekse, ihr werdet angeklagt, dem Terror-Troll sein Zeugs vorsätzlich geklaut zu haben!”
Zwerg 1: “Hä, Zwerg 2, hast du dem Terror-Troll was geklaut?”
Zwerg 2: “Voll nicht, nein, hast du was geklaut?”
Zwerg 1: “Nö, hab ich nicht.” (Zum Richter): “Also, Herr Richter, wir haben das geklärt: Weder Zwerg 2 noch Zwerg 1 haben vorsätzlich Zeugs geklaut. Aber voll nett, dass Sie uns gefragt haben.”
Richter, genervt: “Da ist noch nichts entschieden!! Der Richter bin immer noch ich!! Wie, äh, wie steht ihr eigentlich so zu dem Terror-Troll? Was ist das für eine Beziehung?”
Zwerg 2, erstaunt: “Beziehung? Also, äh, Zwerg 1, hast du ne Beziehung mit dem Typ?!”
Zwerg 1, empört: “He, ich hab doch keine Beziehung mit nem Troll!! Was setzst du wieder für Gerüchte in die Welt?! Immer dieser elende Tratsch unter Zwergen, ich hab das satt!! Lästermäuler, ehrlich… (Zum Richter:) Von wegen Beziehung: Dieser Vollpfosten von einem Troll hat uns unser Schneewittchen ausgespannt, so einer ist das, jawoll!!”
Richter, sarkastisch: “Schneewittchen? Natürlich. Trolle, sieben Zwerge, Schneewittchen. Fehlt nur noch ein verdammter sprechender Spiegel. (Zu sich selber, brummelnd): Ich hab doch gewusst, dass heute ein Scheisstag wird.”
Zwerg 1, genervt:ZWEI Zwerge, Heilandsack, wir sind zwei, sehen Sie, (deutet auf sich) EIN Zwerg, (deutet auf Zwerg 2), ZWEI Zwerge, wir sind zwei Zwerge, ZWEI, verstanden?!”
Richter, giftig: “Schön, meine werten ZWEI Zwerge, Sie können wieder in die U-Haft.” Zum Gerichtsdiener: “Bring mir diese Frau Schneewittchen rein.”

Auftritt Schneewittchen: Eine stark aufgedonnerte Tussi im Minirock und gefährlich aussehenden roten Gel-Fingernägeln stöckelt rein, setzt sich auf den Anklagestuhl und kramt ein weisses Spitzennastuch aus ihrer roten Gucci-Handtasche.

Richter, streng: “Name!!”
Schneewittchen fängt wie auf Knopfdruck an, laut in ihr Spitzentuch zu schluchzen: “Mir ist das… Huhuhu… Einfach… Huhu.. alles zuhuhu viel! Huhu…”
Richter, irritiert: “Na schön, äh… Name?!”
Schneewittchen (flennt wie ein Schlosshund): “Huhu… Ich bin… Huhu… Doch das Schneewittchen.. Huhu… Die Schönste im ganzen Land, huhu…”
Richter, entnervt: “Na schön, Frau Schneewittchen, was sagen Sie zu der Behauptung der sieben… Äh, der zwei Zwerge, sie seien von einem Troll ausgespannt worden?”
Schneewittchen (verliert engültig die Fassung und plärrt los): “Huhuhu… dieser miese Kerl… Dieser Drecksack, huhu… So mit meinen Gefühühüülen zu spielen, huhu… “
Richter, resigniert, schaut auf die Uhr an der Wand, runzelt die Stirne und seufzt tief: “Ich darf doch bitten!! Waren Sie, Frau Schneewittchen, Zeugin eines Diebstahls von Seiten der Zwerge?”
Schneewittchen, flennend: “Die Zweheherge… huhu… Diese blöden Zweheheherge… huhu… die haben meine Zeit gestohlen, huhu… versklavt, haben die mihihich… huhu…”
Richter, genervt: “Hören Sie gefälligst mal mit dem Geheule auf! Das hält ja niemand aus!!” Zum Gerichtsdiener: “Da steht Aussage gegen Aussage, führen Sie den Troll nochmal rein.”
Schneewittchen, aufgewühlt: “Nein!! Nicht diesen blöden Troll!! Huhu… Ich wihihill den niemals wieder sehehehehn, huhu… nie im Leben… huhu… dieser Mistkerl, huhu… Spielt mit den Gefühlen eines wehrlosen, huhu, Schneewittchens, huhu… Dieses Arschloch, huhu… in der Hölle soll er schmoren, huhu…”

Troll, schlurfend, erblickt das heulende Schneewittchen, zuckt zusammen: “Ey Mann, nicht diese durchgeknallte Tussi, Mann, geht das zu weit, Mann!! Hat sie nicht alle Tassen in Gefrierschrank, ich sag dir, ist sie plemplem, meine Fresse, ist sie gaga gaga, eh, balla balla, eh!!”
Richter, steht drohend auf und brüllt quer durch den Raum: “Schnauze, Mann!! Ich meine, äh, hinsetzen!!”
Der Troll setzt sich hin, Schneewittchen rutscht demonstrativ weg, holt tief Luft und fängt wieder an, zu heulen: “Mit dir red ich nicht mehr, huhu… Du hast mit meinen Gefühühülen gespielt, huhu…” (Holt nochmals tief Luft und plärrt mit erhöhter Lautstärke weiter): “Du Drecksack, du blöder, und wegen dir, huhu, hab ich diesen Scheissapfel gegessen, huhu…. (Zum Richter gewandt): “… und er hat gesagt, iss diesen Apfel, huhu, du krasse Braut, huhu, passt die Farbe voll zu deinen, huhu, rohohoten Backen, huhu…”
Troll, entnervt: “Ey kommst wieder mit diese Story, eh?! Mann, ey, war doch nicht meine Idee, hässliche Schwiegermutter, die hatte Plan mit Giftapfel, habsch dir gesagt, ey.”
Richter, hellhörig: “Schwiegermutter? Giftapfel? Wie genau hat sich das abgespielt?”
Troll: “Eh, hörste nicht zu oder was? Sag ich dir, Schwiegermutter, diese hässliche Fratze, eh, kommt mit Giftapfel, sagt, gibste den Schneewittchen, eh, braucht sie Vitamine, eh, frisst sie immer nur Fastfood, hat sie bald nur noch Problemzonen, eh, dreh ihr den Apfel an, Alter.”
Schneewittchen (holt wieder tief Luft, dreht die Lautstärke voll auf): “Wuhuhu, immer trampeln alle auf mir ruhuhuum, huhu… Seit Jahren bin ich auf Diät, huhu… diese elenden Paparazzi, immer machen sie, huhu, fiese Fotos, huhu…”
Troll: “Eh, Alte, du frisst zu viel Pizza, sag ich dir! Und magischer Spiegel, eh, sieht das voll genau so, Mann!!”
Richter, verständnislos: “Magischer Spiegel, äh, was ist denn mit diesem magischen Spiegel, Herr Terror-Troll?!”
Troll, begeistert: “Ja Mann, voll magisch, ich sag dir, kann er sagen, “eh, biste schönste Schnecke in ganze Land” und so, voll abgefahren, Mann!”
Richter, sieht resigniert zur Decke, seufzt schwer, dann, ergeben, zum Gerichtsddiener: “Bringen Sie die zwei raus, und holen Sie die Schwiegermutter samt Spiegel rein!”

Auftritt böse Schwiegermutter und magischer Spiegel: Eine stark geliftete und furchtbar überschminkte alte Frau in einem hautengen goldenen Fummel und mörderischen Higheels stolziert herein, in der rechten Hand eine Zigarette, in der linken einen Gehstock. Der Spiegel, ein genervt aussehendes “fliegendes Tablet”, schwebt missmutig daneben.

Richter, streng: “Name!!”
Spiegel, missmutig: “Ich seh aus wie ein Spiegel, ich kann sprechen und bin magisch, wer könnte ich demnach sein?!”
Richter, genervt: “Ich habe keine Zeit für Ratespiele, wer zum Henker sind Sie also?!”
Spiegel, noch missmutiger: “Meine Güte, alleine unter Dumpfbacken, das geht schon die ganze Zeit so, was hab ich eigentlich verbrochen, immer diese bescheuerten Fragen, da krieg ich Akne, echt mal, (mit übertrieben hoher, säuselnder Stimme): “Spieglein, Spieglein, wie findest du meinen neuen Lidschatten so?”, “Spieglein, Spieglein, gell, die Aurelia ist ne doofe Kuh?”, “Spieglein, Spieglein, ist dieses verdammte Schneewittchen endlich abgemurkst?” (mit übertrieben tiefer, dümmlicher Stimme):”Wer zum Henker sind Sie also?”…
Richter, unterbricht donnernd: “RUHE IM SAAL, HEILANDSACK!!” (Sieht den Spiegel wutschäumend an): “WIE IST IHR VERDAMMTER NAME?!”
Spiegel, patzig: “Magischer Spiegel, der.” (verdreht demonstrativ die Augen)
Richter (schnauft laut, wischt sich den Schweiss ab, notiert den Namen und atmet laut hörbar ein und aus): “Gut, das hätten wir geklärt.”
Zur Schwiegermutter: “So, meine Dame, und Ihr Name ist?”
Schwiegermutter, mit rauchiger Stimme: “Ich bin die schöne Königin, Schätzchen, du darfst mich aber auch Schwiegermutter nennen. SchwiegerMUTTER, hahaha… (wird vom Raucherhusten geschüttelt)… Haha. Das klingt so herrlich.. MÜTTERLICH, haha… (hustet röchelnd)”
Richter, irritiert: “Äh ja, Schwiegermutter (notiert sich den Namen), was sagen Sie zu den Vorwürfen?”
Schwiegermutter, nimmt einen tiefen Zug, beugt sich vor, mit verschwörerischer Stimme: “Also, hör mal, Schätzchen, ganz unter uns: Dieses Schneewittchen, das ist eine ziemlich hohle Nuss. Fällt auf jeden Scheiss rein, lässt sich von sämtlichen Männern ausnutzen, hahaha… (röchelt), was sag ich “Männer”, diese Tussi lässt sich sogar von ZWERGEN ausnutzen, Schätzchen, sag ich dir, also von so wirklich mikrigen Typen, hahaha… macht denen für Umme den Haushalt, einfach so, weil sie so saudumm ist. Haha… (hustet), also, Schätzchen, mir musst du nichts vorwerfen, sag ich dir, mit dieser “Brünette”, haha, als ob die Farbe echt wäre, haha, das hast du aber nicht von mir, verstehst du, also mit der hab ich nichts am Hut, die Erziehung hat ihr Vater versaut, was soll man da noch machen.”
Richter, verwirrt: “Äh.. Ja, meine Dame, da sind wir jetzt aber ein bisschen abgeschweift. (versucht, wieder Haltung anzunehmen, räuspert sich und wendet sich streng zum Spiegel): “Also, magischer Spiegel, was meinten Sie vorhin zum Thema “ist Schneewittchen abgemurkst”?!”
Magischer Spiegel, gähnend: “Ach, kommen Sie mir nicht mit diesen ständigen Fragen, immer nur Fragen, eine saudümmer als die andere, können sich denn die Menschen selber keine Antworten mehr geben? Kommt diese alte Schrulle (nickt der Schwiegermutter zu) und spielt mal wieder “frag den Spiegel”, so “uh, Spiegel, wer ist die Schönste” und so, immer das selbe Gelaber. Sag ich so, meine Nerven, schon wieder dieses Thema und so, aber, meine Güte, nun gut, du wolltest es wissen, ich bin ja voll auf Wahrheit programmiert und so, also gut, raste jetzt bloss nicht so aus wie beim letzten Mal, ja, ich hab dich gewarnt, sage ich dir, aber, na ja, wie soll ich sagen, das olle Schneewittchen ist immer noch deutlich in Führung, verstehst du, auch wenn du sie abmurksen lassen wolltest, die Schnecke ist einfach ein paar Berge weitergezogen, und lässt sich von diesen Hippie-Typen mit ihren Häkel-Käppis ausnutzen, aber ist ja ihre Sache, meine Güte, können wir nicht mal über was vernünftiges reden oder was?!”
Richter, wieder wacher (zur Schwiegermutter): “Was höre ich da, Frau Schwiegermutter, sie wollten Schneewittchen abmurksen lassen?!”
Schwiegermutter (nimmt einen tiefen Zug und pustet den Rauch kringelweise in Richtung Richter), genervt: “Alles was Recht ist, Schätzchen, das ist pure Spekulation, dieser Spiegel, ich sags dir, das ist ein hinterlistiger Schmarotzer, das war doch alles seine Idee, ER wollte Schneewittchen abmurksen, in der Tat… (Hustet röchelnd) … Jedenfalls, Schätzchen, nicht, dass diese naive Dumpfbacke jemand vermissen würde, aber, ganz unter uns, ich hab mich dann voll ins Zeug gelegt, wenn du weisst, was ich meine, hahaha… (hustet) ... also, ich habe quasi meinen ganzen Charme benutzt, haha, um diesen Jäger davon abzuhalten, den Plan des Spiegels umzusetzen, also, Schätzchen, ganz im Vertrauen: Ich hab der dummen Tussi das Leben gerettet, jawohl, so war es.”
Richter, erschöpft: “Meine Nerven. Aussage gegen Aussage, immer nur Aussage gegen Aussage. Warum nur machen mir immer alle das Leben so schwer.” (Zum Gerichtsdiener, resigniert:) “Bringen Sie mir nochmals diese Frau Schneewittchen rein.”

Auftritt Schneewittchen. Sie stöckelt mit grossem Gehabe in den Gerichtssaal, zuckt merklich zusammen, als sie die Schwiegermutter und den Spiegel dort sitzen, bzw. schweben sieht. Sie setzt sich möglichst weit von der Schwiegermutter hin und packt schon mal das weisse Seidentuch aus ihrer voluminösen It-Bag. Kaum hält sie es in der Hand, plärrt sie auch schon wieder los:

Schneewittchen:“Huhu… Warum tun Sie mir das an, huhu… Herr Richter, warum?! Da kommt so viel hoch, huhu… Meine Kindheit, huhu… dieser doofe Apfel, huhu… mein Magen ist immer noch total gereizt, sage ich Ihnen, huhuu…”
Richter, zusammengesunken (seufzt tief): “Also, Frau Schneewittchen, hören Sie mal mit Ihrem Geheule auf! Tut mir wirklich leid, das sagen zu müssen, aber ich kann jeden verstehen, der Sie abmurksen will!!”

(Stille. Der Richter fährt zusammen, setzt sich wieder gerade hin. Dann, halblaut zum Gerichtsdiener: “Also, das löschen Sie mal schön wieder aus dem Protokoll, verstanden?!”)

Richter (zu Schneewittchen): “Was ich, ähm, sagen wollte: Wer hat Sie denn nun abgemurkst?!”
Schneewittchen, schniefend: “Das war, huhu… Eine Verschwörung! Jawoll, huhu… Die Blöde da, huhu… (weist auf die Schwiegermutter) und dieser arrogante, doofe Spiegel da, und dann noch, huhu… (schluchzt ohrenbetäubend) … dieser elende Mistkerl, dieser blöde Troll, also, huhu… und diese voll blöden Zwerge, huhu… die haben sich alle gegen das arme Schneewittchen, huhu… das bin ich, huhu… verschworen, sag ich Ihnen, verschwoooren, huhu…”
Schwiegermutter, genervt, fällt ihr ins Wort: “Himmelarsch, du dumme Nuss, jetzt langts mir aber gehörig! Hör endlich auf mit deiner verdammten Show, hast du gehört, ich krieg schon Pickel am Arsch vom hier rumsitzen! Kürz das Ganze ab, meine Fresse, du blödes Gör, und komm endlich zu dem Punkt wo du deinen Tod inszeniert hast!!”

(Totenstille.)

Richter, sichtlich verstört, zu Schneewittchen: “Wie war das? Inszeniert?!”
Schneewittchen setzt sich gerade hin, verschränkt die Arme vor der Brust, hört augenblicklich mit dem Geplärre auf. Ihre Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen. Dann, schnippisch: “Ich sage hier nichts mehr ohne meinen Anwalt.”
Schwiegermutter, ebenso schnippisch: “Du dummes Flittchen hast doch gar kein Geld für einen Anwalt. Nun, da unser… Ich meine, nun, da dein Plan nicht aufgegangen ist, wird die Versicherung auch nicht bezahlen, das kannst du dir echt abschminken, Doofie.”
Richter, hellhörig: “Unser Plan?! Versicherung?! Heilandsack, das wird ja immer besser hier! (Zu Schneewittchen): Wie war das? Wessen Plan? Welche Versicherung?”
Schneewittchen, nimmt die Nagelfeile hervor und feilt ihre Nägel, bockig: “Ihr Plan. (weist mit der Nagelfeile auf die Schwiegermutter) Es war alles ihr Plan. Das Geld, ja, das verdammte Geld. Sie haben ja keine Ahnung, was das Leben als Prinzessin heutzutage alles so kostet. (Überlegt kurz, lächelt dann den Richter affektiert an) Äh, als Königin und Schwiegermutter, meine ich, die Schwiegermutter also, die hatte ja immer Geldprobleme, IMMER, sag ich Ihnen. Ja und dann fasste sie diesen Plan, Sie wissen schon, Lebensversicherung und so, während ich versuchte, sie davon abzuhalten. Doch sie schreckte vor nichts zurück, sag ich Ihnen, wirklich vor nichts…” (dramatische Pause, leidender Gesichtsausdruck)
Schwiegermutter, unterbricht lauthals: “So, Fresse, du blöde Nuss, mir reichts, deine Nummer als verhärmtes Stiefkind kannst du deinem Psychiater vorspielen, meine Nerven! (wird von Hustattacken geschüttelt) (zum Richter, säuselnd): Glaub dieser Tussi kein Wort, Schätzchen, es war ihr Plan, nur ihr Plan.”
Spiegel, platzt genervt heraus: “Ich bitte Sie, Herr Richter, machen Sie diesem elenden Zirkus ein Ende! Ich meine, ich war dabei: Die beiden (weist auf Schneewittchen und die Schwiegermutter) haben das zusammen ausgetüftelt. Ich versuchte, die beiden abzuhalten, ist ja gegen das Gesetz und so, aber nein, niemand hört auf mich, das ist mein elendes Schicksal, niemand will die Wahrheit hören, alle stellen dumme Fragen, wollen aber die Wahrh…”
Richter, ausser sich, brüllt quer durch den Saal: MIR REICHTS!! WACHE, NEHMEN SIE ALLE ANGEKLAGTEN FEST! JA, ALLE!! AUCH DIE IN DER U-HAFT! JA, AUCH DEN ASI UND DIE BEIDEN HIPPIES!! EINFACH ALLE!! MIR REICHTS!! IHR KRIEGT EINE GEMEINSCHAFTSZELLE UND JEDEN TAG 8 STUNDEN GRUPPENTHERAPEI!!! IHR ALLE!!! ALLE!!! GEMEINSAM!!!ABTRETEN, MARSCH!!”

(Der magische Spiegel, die Schwiegermutter und der Spiegel stossen wilde Verwünschungen und allerlei nicht jugendfreie Flüche aus, während sie von den drei Polizisten, die anmarschiert kommen, abgeführt werden. Aus dem Nebenraum hört man ein lautes “WILLST DU MICH VERARSCHEN, MANN, EY?! THERAPIESCHEISSE, WAS?! WEISS ICH, WO DEINE MUTTER WOHNT…”. Der Richter atmet schwer, wischt sich den Schweiss ab, klaubt einen kleinen Flachmann unter dem Pult hervor und genehmigt sich einen tiefen Schluck. Prost!)

 

 

Er wollte als Kind Astronaut werden.

Er wollte als Kind Astronaut werden.

Sep 7, 2014 - Alltag    No Comments

Süsse Versuchung: Ännis Milchreis.

Es war einmal ein Änni, das hatte nicht nur Mühe mit Ordnung und Disziplin, sondern auch mit (im Emmental sehr verbreiteten) süssen Mahlzeiten. Haferbrei, ein Graus; Klein Änni schmiss “die Sirene”, wie ihr lautstarkes Organ familienintern genannt wurde, bereits an, sobald sie nur diesen schauderhaften Geruch witterte. Griessbrei, das selbe in Grün: Änni brüllte und die Wände wackelten fröhlich im Takt. “Chueche”, wie in der betreffenden Hügelzone “Obstwähen” genannt werden, hatte einen ähnlichen Effekt; Warum sowas als vollwertige Mahlzeit gelten sollte, erschloss sich dem sturen Gör nie ganz. Änni wuchs heran und wurde flügge; Dazu gehörte auch, dass sie nunmehr selbst für ihr leibliches Wohl verantwortlich wurde. Mit 21 dann lernte Hippie-Flippie-Neben-der-Spur-Änni einen wirklich netten jungen Mann kennen, der zwar das Klo seiner Wohnung ganz offensichtlich noch nie geputzt hatte und gebrauchte Kondome eher unorthodox entsorgte, Änni allerdings ganz neue kulinarische Welten zugänglich machte: Kartoffelstock aus der Tüte, Schlagrahm aus der Dose, Ketchup zu Chips, Fertig-Pizzas, und, last but not least, Milchreis (auch das aus der Tüte, versteht sich). Milchreis hatte Änni noch nie zuvor gegessen, und sie stellte trotz anfänglicher Skrupel fest, dass das Zeug ganz lecker ist. Der junge Mann pflegte dazu Dosen-Obst zu servieren, was dem mühevoll “eingemachten” Obst (heiss eingefüllt, bzw. sterilisiert) in Ännis Kindheit recht nahe kam (wenn auch weniger ökologisch, weniger lecker und weniger gesund, aber das kümmerte das junge Änni wenig).

Ich spule etwas vor: Ende Zwanzig stellte das nicht mehr ganz junge Änni fest, dass man den Milchreis nicht nur fixfertig in Tüten kaufen kann, sondern auch selber machen kann. Günstiger, gesünder, leckerer. Mit Anfang Dreissig dann der persönliche Durchbruch in punkto Milchreis: Ein abgewandeltes Rezept von Chefkoch, angepasst an Ännis Geschmack. Ich will euch natürlich daran teilhaben lassen, und darum, hier und jetzt, das optimierte Rezept:

Für 2-3 hungrige Esser, als Hauptmahlzeit (für 4 “normale” Esser):

7.5 dl Milch
200g Milchreis
80g Rohzucker (Menge ist Geschmacksache!)
1 Pack Vanillezucker
1-2 TL Zimt
ev. ein Hauch Kardamom
2 Eigelb

Die Milch aufkochen (nicht davonlaufen, ich wiederhole: Nicht davonlaufen!), den Milchreis einrühren (Schwingbesen). Die Hitze reduzieren und den Reis auf kleiner Stufe köcheln lassen. Den Zucker und den Vanillezucker hinzufügen. Immer wieder umrühren, sonst klebt das ganze zusammen oder brennt an! Der Milchreis aus der Migros hat etwa 20 Minuten, bis er gar ist. Am Schluss mit Zimt (ev. ein wenig Karadamom) abschmecken und die zwei Eigelbe darunterrühren, nicht mehr kochen. Auf zwei Teller anrichten, dazu passt Apfelmus, Rotweinzwetschgen, eingemachte Pfirsiche, heisse Waldbeeren etc.

Ä Guete!

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